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Michael Leitgeb: Interview in der BVZ

08.09.2022

„Vieles verschlafen“: Michael Leitgeb übt Kritik

„Vieles verschlafen“: Michael Leitgeb übt Kritik

SPÖ-Bürgermeisterkandidat Michael Leitgeb über seine Ideen für die Stadtgemeinde Oberwart und die Schützenhilfe von Landeshauptmann Hans Peter Doskozil, die er nicht braucht.
Vor ziemlich genau einem Jahr wurden Sie SPÖ-Stadtparteiobmann und haben Ihre Kandidatur zur Bürgermeisterwahl bekannt gegeben. Was ist in diesem Jahr passiert?
Michael Leitgeb:Als Quereinsteiger war die Politik für mich Neuland. Rückblickend gesehen, war das Jahr somit eigentlich viel zu kurz, aber nachdem ich schwere Aufgaben grundsätzlich als Herausforderung gerne annehme, war es dann doch gar nicht so schwierig.

 

Es ist trotzdem etwas ganz anderes einen Wahlkampf abseits des Gemeinderats zu führen? Sie haben die gleichen Ziele, wie Stadtchef Georg Rosner, aber andere Voraussetzungen, ist das ein Nachteil?
Leitgeb:Als Bürgermeister ist Georg Rosner viel präsenter als ich. Ich habe nach der kurzen Zeit auch nicht den Bekanntheitsgrad, aber wir haben gute Rezepte gefunden, um auf die Menschen zuzugehen, und das wird uns täglich gesagt.

 

Sprechen Sie jetzt von den Grätzeltreffen, die in den letzten Wochen im ganzen Stadtgebiet stattgefunden haben? Welche Themen wurden Ihnen hier von den Bürgerinnen und Bürgern zugetragen?
Leitgeb:Ich denke, das war wichtig, um zu erfahren, was die Menschen vor ihrer Haustüre bewegt. Themen, wie der schlechte Zustand der Straßen, die Umgestaltung des Stadtparks in eine Betonwiese und ein fehlendes Verkehrskonzept oder die fehlende Attraktivierung der Innenstadt werden immer wieder diskutiert. Aber auch die Investitionen in die Sportstätten, die bei vielen Leuten immer wieder als Negativbeispiel hervorgehoben werden, waren Themen.

 

Die Sportstätten gelten eigentlich als Aushängeschild. Warum ist das Thema Ihrer Meinung nach so negativ in der Bevölkerung behaftet?
Leitgeb:Oberwart hat rund 8.000 Einwohnerinnen und Einwohner und ein Bruchteil nützt diese Sportanlagen, die mehr als 2,5 Millionen Euro gekostet haben. Das Geld hätte man wesentlich besser investieren können.

 

In welche Projekte Ihrer Meinung nach? Und wie argumentieren Sie das bei den Mitgliedern der Vereine?
Leitgeb:An oberster Stelle muss in einer Stadt, wie Oberwart, eine gute Infrastruktur stehen. Da gibt es so viele offene Straßenbauprojekte, die seit Jahren nicht in Angriff genommen wurden. Die alten Sportanlagen waren nicht in einem so baufälligen Zustand, dass man sie dem Erdboden gleich machen und die Vereine aus ihren Heimstätten hätte vertreiben müssen.

 

Zuletzt hat man hinter vorgehaltener Hand auch immer wieder gehört, dass sich die Stadt den Neubau des Schulcampus nicht leisten kann? Wie stehen Sie zu dem Projekt?
Leitgeb:Die Initiative zum Neubau der Volksschule kam bereits vor vielen Jahren aus der SPÖ. Fakt ist, dass etwas passieren muss, weil die alte Volksschule einen modernen Unterricht nicht mehr zulässt. Wir werden das Projekt „Volksschule Neu“ immer unterstützen. Anstatt aber laufend neue Bilder des Bildungscampus zu präsentieren müssen dringend alle Daten und vor allem die Kosten auf den Tisch. Derzeit laufen die geplanten Kosten aus dem Ruder und es ist bis heute nicht klar, wie das ganze finanziert werden soll. Eine Möglichkeit wäre auch gewesen, die Volksschule ins Internat zu siedeln, anstatt es zu verkaufen.

 

Als Stadt der Vielfalt ist gerade dieses Projekt eine Visitenkarte für die Stadt und noch dazu eine langjährige Forderung der Volksgruppen. Wäre es nicht schade, ein solches Projekt nicht umzusetzen?
Leitgeb:Da geht es nicht um das Projekt, das eine ganz tolle und auch wichtige Sache für die Stadt und das ganze Land ist, sondern darum, auch Alternativen aufzuzeigen. Vor allem hätte man zusätzlich zu den Volksgruppen auch ein Jugendzentrum in diesem Gebäude integrieren können. Wir brauchen dringend ein Jugendzentrum wie beispielsweise in Eisenstadt.

 

Vor einem Jahr haben sie gesagt, dass für die Innenstadt einfach nichts geschieht und sich das ändern müsse. Im letzten Jahr hat die Sanierung des Stadtgartens begonnen, und ein Plan für eine klimafitte Innenstadt wurde präsentiert. Bleiben Sie bei Ihrer Aussage von vor einem Jahr? Wenn ja, was braucht die Innenstadt Ihrer Meinung nach?
Leitgeb: Bürgermeister Rosner hat in seinen Wahlkämpfen 2012 und 2017 eine Attraktivierung der Innenstadt versprochen. Passiert ist in diesen zehn Jahren gar nichts und nur Grafiken zu präsentieren ist zu wenig. Noch dazu ist die Hauptstraße nach wie vor im Eigentum des Landes. Hier wird etwas auf einem Areal skizziert, das nicht einmal der Gemeinde gehört. In dieser Studie ist auch lediglich die Hauptstraße enthalten. Rotunde oder Badplatz wurden nicht einmal mitgedacht. Zudem fehlt ein Verkehrskonzept für die Innenstadt sowie zusätzliche Parkflächen. Außerdem wurde nie mit den Betrieben der Innenstadt gesprochen und es stellt sich auch hier die große Frage, wie das Ganze finanziert werden soll.

 

Was sagen Sie zur zuletzt abgesagten Einkaufsnacht?
Leitgeb: So etwas darf nicht passieren. Die Absage ist auch ein Zeichen dafür, dass die Innenstadt brach liegt. Dass man jetzt einfach so sagt, die Betriebe haben sich nicht gemeldet, kann nur ein Scherz sein. Hier hat man die wohl wichtigste Gelegenheit verstreichen lassen, die Gastronomie und die Geschäften zu unterstützen. Ein Vorschlag wäre auch gewesen, Kunst und Kultur besser in die Organisation einzubinden. Wenn ich nur ans Offene Haus Oberwart denke beispielsweise. Mit einer Ausstellung im Zentrum hätte man auch hier wieder die Verweildauer von Menschen in der Innenstadt verlängert und somit etwas Nachhaltiges schaffen können.

 

Apropos Gastronomie. Wie stehen Sie zum geplanten Gastronomie-Projekt im Stadtgarten?
Leitgeb: Das ist ein Verbrechen an der Wirtschaft. Wem so ein Irrsinn eingefallen ist, der hat keine Ahnung von Wirtschaft. Es kann nicht sein, dass eine Gemeinde zusätzliche Konkurrenz zu anderen schafft, wenn man im Umkreis von 200 Meter unzählige Lokale hat. Sich als Bürgermeister noch hinzustellen und zu sagen, dass das der Wunsch der Bevölkerung war, stimmt nicht. Das ist ein Vorwand. Die Entscheidung ist hier ganz wo anders gefallen.

 

Auch die Parkplatzproblematik ist in der Stadt ein oft diskutiertes Thema. Geht es nach Georg Rosner dann müssen die Menschen künftig weitere Wege auf sich nehmen? Welche Lösung hätten Sie?
Leitgeb: Eine Möglichkeit wäre ein Parkdeck am Platz der Rotunde zu machen. Sollte die Volksschule wegkommen, dann würde ich das Gebäude nicht an die Bundesschulen verkaufen, sondern eine Durchfahrt von der Rotunde in die Schulgasse machen, um eine Gegeneinbahn zu schaffen. Damit könnte man die Innenstadt auch entlasten.

 

Kritik von Ihnen kam auch zum Zustand des Freibades? Wäre das Freibad in so schlechtem Zustand, wären die Organisatoren der Special Olympics wohl kaum so begeistert gewesen?
Leitgeb: Die Umkleidekabinen sind beschämend, hier geht es nicht um die Becken. Im Badcafé ist das Dach leck und das ist kein Aushängeschild für eine Sportstadt wie Oberwart.

 

Sie haben auch den Stillstand der Betriebsansiedlungen kritisiert? Welche Unternehmen braucht Oberwart Ihrer Meinung nach?
Leitgeb: In den letzten zehn Jahren ist, außer Supermärkte von A nach B zu verlegen und Flächen zu versiegeln, nicht viel passiert. Das ist nicht zielführend. Schaut man nach Pinkafeld oder Kemeten, dann sieht man, was alles geht. Auch in Oberwart muss es in Zukunft, um gute und gesicherte Arbeitsplätze gehen. Oberwart hat viel verschlafen. Dabei wäre es so wichtig, Pendlerinnen und Pendlern Jobs in der Heimat geben zu können. Da geht es auch um mehr Lebensqualität.

 

Ist das Ihrer Meinung nach auch ein Grund, warum die Einwohnerzahl stagniert, dass es zu wenig Arbeitsplätze in der Stadt gibt?
Leitgeb: Wir müssen in Oberwart mehr qualifizierte und attraktive Jobs für unsere Jugend schaffen. Dazu braucht es innovative Betriebe und weniger Supermärkte und Handelsketten. Ich denke beispielsweise an HTL-Absolventen oder Absolventen der FH, die nach der Schule bzw. Studium vorwiegend in Wien oder Graz bleiben. Denen müssen wir attraktive Jobs anbieten.

 

Jetzt kommt zu vielen Projekten enorme Kritik. Ihre Fraktion hat viele Beschlüsse mitgetragen. Wie soll die Zusammenarbeit in Zukunft im Gemeinderat verlaufen?
Leitgeb: Wir haben ein neues Team, das viel für Oberwart weiterbringen will. Wir werden uns bei allen Entscheidungen aber für mehr Transparenz einsetzen. Selbstverständlich werden wir uns aber weiterhin konstruktiv im Interesse der Oberwarterinnen und Oberwarter einbringen.

 

Sie fordern auch mehr Grün für die Stadt? Wie wollen Sie Oberwart grüner machen?
Leitgeb: Wir sollten mehr Grünflächen in der Stadt schaffen, ein zusätzliches Naherholungsgebiet wäre schön. Um den CO2 Ausstoß zu senken, müssen wir der Bevölkerung ein funktionierendes Radwegenetz zur Verfügung stellen, damit vor allem kürzere Strecken zukünftig vermehrt mit dem Fahrrad zurückgelegt werden. Großflächige Bodenversiegelungen müssen künftig genauer geprüft werden. Eine Vision von mir wäre auch eine verstärkte Dachbegrünungen auf öffentlichen Gebäuden oder eine Fassadenbegrünung des alten Hochhauses, das man mit einem Panoramalift und einer Skybar aufwerten könnte.

 

Stichwort Ärzte: Seit Monaten ist man seitens der Ärztekammer auf der Suche nach einem vierten Allgemeinmediziner für die Stadt. Wie kann es sein, dass in einer Metropole, wie Oberwart, eine Kassenstelle unbesetzt ist und wie muss die Stadt initiativ werden?
Leitgeb: Das liegt in erster Linie nicht allein an der Stadtgemeinde. Aber sicher könnte man darüber reden, Anreize zu schaffen, um die Grundversorgung nicht zu gefährden.

 

Einer, der im Wahlkampf fehlt, ist Landeshauptmann Hans Peter Doskozil. Warum brauchen Sie seine Schützenhilfe nicht oder bekommen Sie sie nicht?
Leitgeb: Schützenhilfe von Landeshauptmann Hans Peter Doskozil habe ich sehr wohl. Er hat auch angeboten, mich auf Hausbesuchen zu begleiten, was ich dankend abgelehnt habe, weil da hauptsächlich Landesthemen im Vordergrund stehen würden. Mir geht es um die Wünsche und Anregungen der Bevölkerung an ihre Stadt.

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